Vita

Schwupps. Da war es passiert. Einfach so. Bei einem Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten Kurt Beck schnappte sich Christine Rauh das Mikrofon vom Moderator und plauderte munter alleine weiter. Das Publikum war hingerissen. Und der arbeitslose Moderator lachte sich halb kaputt.

Nein, das ist nicht ’normal‘. Und genau darum ganz typisch für Christine Rauh. Denn sie bricht oft und gern mit starren Ritualen und belebt den klassischen Konzertbetrieb mit ihrer mitreißenden Frische. Ja, die junge Cellistin sprüht förmlich vor Kommunikationslust und Spontaneität. Das spiegelt sich in ihren Auftritten, in denen sie neue Saiten aufzieht.

Christine Rauh

„Ich möchte, dass Musik wieder mehr zum Spiel wird und nicht zum strengen Vortrag”, betont Christine Rauh. „Ich wünsche mir, dass da zwischen mir und den Hörern ein gemeinsames Erlebnis entsteht, das Publikum darf und soll Emotionen zeigen!” So, wie es etwa bei der Sonate von Alfred Schnittke oft passiert. „Im zweiten Satz lädt sich die Spannung immer mehr auf, bis sie sich in einem lauten Cluster entlädt. Manchmal geht dann ein richtiger Aufschrei durchs Publikum. Das zeigt, dass meine Zuhörer bei der Musik wirklich mitfiebern. So soll es sein.”

Alfred Schnittkes Sonate stammt aus dem Jahr 1978 und ist eins von vielen Beispielen für ihre große stilistische Bandbreite. Der Wunsch, das Image des klassischen Konzertbetriebs zu entstauben, schlägt sich auch in der Repertoireauswahl von Christine Rauh nieder: neben dem klassischen Repertoire mit zahlreichen Ur- und Erstaufführungen zeitgenössischer Werke, spielt sie liebend gern Tango und arrangiert selbst Songs von Udo Lindenberg und Daft Punk. Auch die Zusammenarbeit mit Beatboxern und Jazzmusikern ist für die temperamentvolle Cellistin eine Selbstverständlichkeit. Berührungsängste kennt sie nicht. „Ob das Etikett nun Klassik, Tango oder Jazz heißt, finde ich nicht entscheidend. Hauptsache, es ist für mich und mein Publikum gute Musik!”

Christine Rauh moderiert und spielt

Christine Rauh vereint eine brillante Technik mit musikalischer Tiefe und packender Bühnenpräsenz. Ihre rege Konzerttätigkeit führte sie bereits auf viele wichtige Konzertpodien und zu bedeutenden Festivals in Europa und Asien. Darunter die Philharmonie und das Konzerthaus in Berlin, die Laeiszhalle Hamburg, die Alte Oper Frankfurt, die Schwetzinger Festspiele, das Euro Nippon und das Schleswig Holstein Musik Festival sowie das Festival in Kronberg. Neben Rundfunkaufnahmen für Sender wie Deutschlandradio Kultur, SWR, SR oder den WDR hat Christine Rauh bei Naxos eine CD mit Werken des Klassik-Jazz-Komponisten Nikolai Kapustin eingespielt.

Christine Rauh startete ihre Karriere mit dem Gewinn des renommiertesten Wettbewerbs Asiens, dem Internationalen Isang Yun-Wettbewerb. Kurz darauf wurde sie von der Bundesregierung als eine der ‘100 Frauen von morgen’ ausgewählt. Keine Frage, die langjährige Wahlberlinerin mit englischem Background gehört zu den herausragenden Cellisten der jungen Generation.

Christine Rauh

Wo Christine Rauh auftritt, fasziniert sie das Publikum mit ihrer charismatischen vereinnahmenden Persönlichkeit und ihren mitreißenden Interpretationen. Selbst in virtuosen Passagen gleiten ihre schlanken Arme und Hände geschmeidig über das Instrument – dadurch verströmt ihr Spiel eine tänzerische Eleganz. Was nicht weiter verwunderlich ist. Schließlich hat Christine Rauh fünf Jahre Ballettunterricht gehabt. Diese Erfahrung prägt ihre Körpersprache bis heute. Sie fühlt sich spürbar wohl auf der Bühne; bereits in jungen Jahren liebte sie es, sich zu verkleiden und mit kleinen Sketchen zu unterhalten. So hat Christine Rauh ihre vielseitigen Talente früh ausleben können. Dazu gehörte auch die Musik. Allerdings musste sie zunächst ein Hindernis überwinden: Eine Sehschwäche versperrte ihr den Zugang zu den Noten. „Weil ich so schlecht gucken konnte, machte ich aus der Not eine Tugend und lebte meine Experimentierfreude aus. Ich habe mir damals alles über das Ohr erschlossen. Auch heute noch spiele ich lieber ohne Noten.”

Sie suchte und fand so ihren ganz eigenen Weg zum Instrument – anfangs improvisierte sie auf ihrem Instrument, dann entscheid sie sich für eine klassische Ausbildung. Die führte sie schnell in die Erfolgsspur: Studium in Frankfurt, Berlin und Paris bei Jens-Peter Maintz und Gerhard Mantel; in der Begegnung mit dem legendären Mstislaw Rostropowitsch hat sie weitere Einflüsse aufgesaugt.

Christine Rauh spielt den Nachbau des Cellos von Giovanni Battista Rogeri von 1671, das von Ragnar Hayn in Berlin gebaut wurde und den typischen Schmelz des italienischen Rogeri-Originals mit großer Klarheit verbindet. Auf diesem Instrument reizt sie das Klangspektrum des Cellos aus und hält es dafür manchmal auch wie eine Gitarre. Lustvoll und spielerisch überschreitet sie die Grenzen des Gewohnten, auch mit neuen Vermittlungsideen. In Gesprächskonzerten lässt sie das Publikum an ihrer Begeisterung teilhaben und umrahmt die Programme mit kleinen Geschichten und Anekdoten. Diese Konzerte moderiert Christine Rauh am liebsten selbst – damit sie nicht wieder jemandem das Mikrofon aus der Hand reißen muss.

Feature

Christine stellt ihr neues Album persönlich vor

Hier hören:

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Dieses Album ist ein ganz persönliches Statement. Christine holte sich ein Team aus Klassik- und Jazzmusikern an ihre Seite und es entstand ein abwechslungsreiches und spannendes Album. Die meisten Tracks auf dieser CD sind Weltersteinspielungen.

Christine Rauh - Classic 'n' Jazz Album

Live Interview

SWR-Moderatorin Sabine Fallenstein im Gespräch mit Christine Rauh. Über ihre neue CD-Einspielung mit der Deutschen Radio Philharmonie und ihr Faible für Klassik-Jazz-Fusionen.

Look ’n‘ listen

Daft Punk „Get Lucky“

Cello + Beats – hier klicken

Get Lucky! Christine spielt ihre Coverversion für Cello + Beatbox

Christine Rauh moderiert bei klassik.tv

FIGAROS HOCHZEIT – KLASSIK.TV OPERNLOGE MIT CHRISTINE RAUH

Christine Rauh bei klassik.tv

In der Klassik.TV Opernloge stellt Christine Rauh die Mozart-Oper „Die Hochzeit des Figaro“ kurzweilig und unterhaltsam vor. Zum Video